Die meisten Nachahmer lockt das Unnachahmliche.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Seit nahezu 100 Jahren ist die Miesbacher Joppe der Inbegriff der bayrischen Tracht. Sie entstand um 1910 unter der Regie des „ersten“ Karl Jäger in ihrer heutigen Form. Alle Entwürfe für diese Neuschöpfung stammen von seinem Bruder Raimund. Und weil sie die Söhne des Firmengründers und -inhabers Josef Jäger aus Miesbach waren, wurde sie landläufig als Miesbacher Joppe bezeichnet. Die „Miaschbecka Jopp‘n“, wie sie fortan bezeichnet wurde, gefiel vor allem den „Mannsbildern“. Viele Trachtenvereine, die zur damaligen Zeit wie Pilze aus dem Boden schossen, übernahmen die „Miaschbecka“ als Vereinstracht.


Den Siegeszug „seiner“ Joppe konnte der Künstler und Bildhauer Raimund nicht mehr erleben. Er wurde nur drei Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, am 3. November 1914, so schwer verwundet, das er bald darauf, im Alter von 26 Jahren, starb.

Die „Original Miesbacher Joppe“ wird heute noch in 140 Arbeitsschritten von Hand in Miesbach gefertigt. Sie besteht aus grauem Kerntuch, hat gerundete Revers, einen grünen Stehkragen, drei aufgesetzte - mit rotem Tuchloden unterlegte - Taschen und zwei Reihen echter Hirschhornknöpfe. Das Markanteste daran ist jedoch die aufwändige Stickerei. Sie wird selbstverständlich nicht per Computer erstellt, sondern immer noch von Hand gesteppt.

In früheren Jahren gab es nicht nur die Eichenlaubstickerei sondern auch Edelweiß, Efeu und Frauenmantel. Diese alten Motive sind heute wieder sehr gefragt. Die aufwändige Handarbeit in allen Phasen der Herstellung unterscheidet die „Original Miesbacher Joppen“ von Karl Jäger von den zahlreichen maschinell gefertigten Kopien.